Methodenwerkstatt #2 „Flucht und Migration – Das THW im Einsatz in Krisengebieten“

Am 6. Mai 2017 fand die Methodenwerkstatt #2 im Salvador-Allende-Haus in Oer-Erkenschwick statt. Gemeinsam mit dem Spieleentwickler Thomas Pabst entwickelten 14 Freiwillige der THW-Jugend NRW zwei Tage lang im Grünen die inhaltlichen Grundlagen für ein Brettspiel rund um die Themen Flucht, Migration und Katastrophenhilfe. Doch was haben Auslandseinsätze des THW mit Menschen auf der Flucht und politischer Bildungsarbeit zu tun?
Spannende Einblicke in die verschiedenen Aufgaben und Herausforderungen der Katastrophenhilfe des THW im Ausland bot der bilderreiche Vortrag von Markus Mexner. Der erfahrene THW-Helfer berichtete von seinen Auslandseinsätzen in Haiti und Äthiopien. Gemeinsam mit seinem Team hat er sich im Erdbebengebiet von Port-au-Prince um die Trinkwasseraufbereitung gekümmert. In Äthiopien galt es, das UNHCR technisch zu unterstützen, um den Aufbau von Flüchtlingscamps zu koordinieren und die Versorgung der Bewohner/-innen mit Trinkwasser zu gewährleisten. Motivation, Teamwork und die gute Vernetzung mit anderen Hilfsorganisationen und Behörden sind dabei wichtige Faktoren, um einen Einsatz erfolgreich durchzuführen. Nur so können die elementaren Grundbedürfnisse (Essen, Trinken, Schlafen) von Menschen in Not befriedigt und die Situation vor Ort verbessert werden, damit diese Menschen nicht gezwungen (weiter zu) fliehen.
Naturkatastrophen, Hungersnot, Krieg – es gibt unzählige Gründe, warum Menschen auf der ganzen Welt aus oder in ihren Heimatländern fliehen müssen. Die Teilnehmenden konnten sich durch eine umfangreiche Presseschau über Fluchtursachen und -auswirkungen, über Zahlen zu weltweiten Entwicklungen sowie Gefahren auf den Fluchtrouten informieren. Besonders eindrücklich waren die persönlichen Geschichten der Menschen und die daraus ersichtlichen existenziellen Bedürfnissen von Menschen in Notsituationen. Es wurde eifrig diskutiert und an einer Pinnwand wurden alle Gedanken und Informationen zu Flucht, Migration und Katastrophenhilfe in einer Tabelle zusammengetragen, sodass Verknüpfungen zwischen den drei Themenfeldern sichtbar wurden.
Nach der intensiven Wissens- und Lernphase folgte dann der praktische Teil des Wochenendes. Thomas Pabst stellte den (Jung-)Helfer/-innen die Idee und das Szenario des Brettspiels vor: Das Zusammenwirken von Katastrophenhelfer/-innen und Menschen mit Bedürfnissen in Katastrophengebieten bilden den Kern des Spiels. Es geht um Strategie, Technik und Teamwork, um gemeinsam die Einsätze zu meistern und Menschen zu helfen. Die Teilnehmenden waren von Beginn an begeistert. Bis Sonntagmittag wurden in Kleingruppen verschiedene Einsatzszenarien ausgearbeitet, sodass zum Abschluss der Methodenwerkstatt eine Vielzahl von Einsätzen, Ereignissen, Materialien und Ideen von den Mitgliedern der THW-Jugend NRW präsentiert werden konnten.
Nun heißt es für Thomas Pabst, das Spiel entstehen zu lassen. Bei einem Testtag im Oktober 2017 werden die Teilnehmenden der Methodenwerkstatt #2 den Prototypen dann als erste Spieletester ausprobieren können. Danach folgen weitere Tests in anderen Ortsverbänden und Spielgruppen, um verschiedene Zielgruppen anzusprechen und deren Meinungen zu erfassen. So entsteht ein Brettspiel, das in der politischen Bildung und der Jugendverbandsarbeit eingesetzt werden kann. Der Versuch, Katastrophenhilfe und Flucht miteinander in Verbindung zu bringen und eine neue Perspektive auf das globale Phänomen Flucht einzunehmen, ist geglückt. Die Methodenwerkstatt #2 hat gezeigt, dass es sich lohnt, gewohnte Wege des Seminarformats zu verlassen und in einem offenen und partizipativen Prozess gemeinsam auf Augenhöhe zu lernen und zu arbeiten.